021 Aaresteg, Zehendermätteli-Bremgarten
1. Rang, 1. Preis
Verfahren: Projektwettbewerb im selektiven Verfahren
Bauherren: Burgergemeinde Bern, Gemeinde Bremgarten bei Bern und Stadt Bern
Zeitraum: 2025–
Projektperimeter: 6'600 m2
Nutzungen: Fussgängerpasserelle
Ingenieur (Pilot): co-struct, Zürich
Sam Bouten, Fabrice Meylan, Lucas Bauer, Vincent Lestang, Arthur Billotte
Architektur: Djurdjevic Architectes, Lausanne
Muriz Djurdjevic
Landschaftsarchitektur: DUO Landschaftsarchitekt:innen, Bern
Aurélie Barral, Maria Beatrice Fenoglio, Sandra Kieschnik
Fädli i de Luft
Konzeptionell wird eine Neuformulierung der Berner Kettenbrücken vorgeschlagen. Die Entwurfsidee wird differenziert aus den örtlichen Gegebenheiten hergeleitet. Daraus entsteht eine technisch wie auch gestalterisch durchdachte, asymmetrische Hängekonstruktion. Dabei wird der Einfluss des hochwertigen Naturraums auf das Projekt vielschichtig aufgezeigt. Beim Betreten des Stegs wird die Charakteristik der Landschaft erlebbar verdeutlicht.
Die gebauten Eingriffe in die Landschaft beschränken sich auf beiden Uferseiten auf ein Minimum. Die Widerlager am Ende des Stegs sind kaum sichtbar in das Terrain vergraben und die Abspannblöcke sind auf der Seite von Bremgarten wie Findlinge auf halber Höhe in das Waldbord eingebettet. Der Zugang auf Seite des Zehendermättelis wird durch eine sanfte Erhebung des Terrains zurückhaltend gelöst.
Landschaftsintegration
Die Brücke fügt sich als leichtes, zurückhaltendes Bauwerk sensibel in den Landschaftsraum der Aare ein. Durch die bewusst gewählte asymmetrische Konstruktion wird der Prallhang nicht nur respektiert, sondern räumlich inszeniert und in seinem topografischen Verlauf aufgenommen. Dadurch entsteht ein klarer und nachvollziehbarer Bezug zwischen Bauwerk und Flussraum, der die landschaftlichen Gegebenheiten stärkt, ohne dominant in Erscheinung zu treten.
Der für die Verankerung notwendige Eingriff in den Wald bleibt auf das erforderliche Minimum beschränkt und manifestiert sich lediglich als schmale, präzise gesetzte Schneise. Der Standort wurde ausserhalb der sensiblen ökologischen Bereiche gewählt. Die ökologische Kontinuität wird unter anderem durch die Integration der stark geschädigten Eiche sichergestellt. Der Baum, der im Zuge der Bauarbeiten gefällt werden muss, wird vor Ort als wertvolle ökologische Struktur in den Hang eingebettet und bleibt so als Lebensraum und Totholzelement im Landschaftsraum erhalten. Die massvolle Setzung und die schlichte Materialwahl verbinden Zugänglichkeit, landschaftliche Qualität und den nachhaltigen Schutz der Biodiversität.
Gestaltung und Tragwerk
Der Tragwerksentwurf basiert auf der Idee vonzwei sich überschneidenden, gekrümmten Kurven mit asymmetrischer Anordnung. Während der Gehweg dem Druckbogen folgt, steigt das Zugelement gegen Bremgarten hin an und wird direkt im Hang verankert. Auf Seite Zehendermätteli verschmelzen diese beiden Elemente zu einem linsenförmigen Stahlkasten. Dieses Auflager kann sehr sparsam ausgebildet werden, weil Zug- und Druckkräfte kurzgeschlossen werden und somit nur Vertikalkräfte auftreten.
Auch die Konstruktionshöhe der Brücke und damit die Dammschüttung werden auf ein Minimum reduziert. Anders verhält es sich auf der Gegenseite: Der Durchhang des Zugelements und der Bogenstich des Druckbogens von jeweils nur etwa einem Meter führt zu relativ hohen Horizontalkräften, die oben mit insgesamt acht Felsankern und unten mit einer massiven Druckplatte direkt in den Felsen abgetragen werden. Die leichte Verbreiterung in der Brückenmitte ist dadurch begründet, dass die Hängekonstruktion in einer nachaussen geneigten Ebene liegen soll. All diese Überlegungen zum Brückenentwurf sind gutnachvollziehbar, und die von den Projektverfassern angegebenen Kräfte erscheinen plausibel.
Besondere Sorgfalt erfordert die Ausbildung des sehr schlanken, von innen ausgesteiften Stahlkastens. Dies gilt vor allem für die Seite Zehendermätteli, wo sich die Zugelementeseitlich an den in der Höhe variablen Kastenanschmiegen. Die Wahl der Zugelemente aus Flacheisen ist deshalb nicht nur aus dem historischen Kontext heraus, sondern auch aus konstruktiven Gründen und wegen der besseren Sichtbarkeit für die Vögel sinnvoll. Auf Seite Bremgarten ist das Ausknicken des auf Druck beanspruchten schlanken Stahlkastens nach oben besonders zu beachten, weil die Hänger keinen Beitrag zur Reduktion der Knicklänge leisten können.
Zusammenfassung Jury
Aus Sicht der Jury ist dort anstelle einer integralen Verbindung ein lösbarer Anschluss zugunsten vereinfachter Instandsetzungsmöglichkeiten vorzuziehen. Der Entwurf überzeugt durch eine bedachte Lesart des einzigartigen Landschaftsraumesund der daraus abgeleiteten, kunstvollen Installation, welche sich elegant schwebendund zugleich einzigartig in das sensible Umfeld einfügt.
1. Rang, 1. Preis
Verfahren: Projektwettbewerb im selektiven Verfahren
Bauherren: Burgergemeinde Bern, Gemeinde Bremgarten bei Bern und Stadt Bern
Zeitraum: 2025–
Projektperimeter: 6'600 m2
Nutzungen: Fussgängerpasserelle
Ingenieur (Pilot): co-struct, Zürich
Sam Bouten, Fabrice Meylan, Lucas Bauer, Vincent Lestang, Arthur Billotte
Architektur: Djurdjevic Architectes, Lausanne
Muriz Djurdjevic
Landschaftsarchitektur: DUO Landschaftsarchitekt:innen, Bern
Aurélie Barral, Maria Beatrice Fenoglio, Sandra Kieschnik
Fädli i de Luft
Konzeptionell wird eine Neuformulierung der Berner Kettenbrücken vorgeschlagen. Die Entwurfsidee wird differenziert aus den örtlichen Gegebenheiten hergeleitet. Daraus entsteht eine technisch wie auch gestalterisch durchdachte, asymmetrische Hängekonstruktion. Dabei wird der Einfluss des hochwertigen Naturraums auf das Projekt vielschichtig aufgezeigt. Beim Betreten des Stegs wird die Charakteristik der Landschaft erlebbar verdeutlicht.
Die gebauten Eingriffe in die Landschaft beschränken sich auf beiden Uferseiten auf ein Minimum. Die Widerlager am Ende des Stegs sind kaum sichtbar in das Terrain vergraben und die Abspannblöcke sind auf der Seite von Bremgarten wie Findlinge auf halber Höhe in das Waldbord eingebettet. Der Zugang auf Seite des Zehendermättelis wird durch eine sanfte Erhebung des Terrains zurückhaltend gelöst.
Landschaftsintegration
Die Brücke fügt sich als leichtes, zurückhaltendes Bauwerk sensibel in den Landschaftsraum der Aare ein. Durch die bewusst gewählte asymmetrische Konstruktion wird der Prallhang nicht nur respektiert, sondern räumlich inszeniert und in seinem topografischen Verlauf aufgenommen. Dadurch entsteht ein klarer und nachvollziehbarer Bezug zwischen Bauwerk und Flussraum, der die landschaftlichen Gegebenheiten stärkt, ohne dominant in Erscheinung zu treten.
Der für die Verankerung notwendige Eingriff in den Wald bleibt auf das erforderliche Minimum beschränkt und manifestiert sich lediglich als schmale, präzise gesetzte Schneise. Der Standort wurde ausserhalb der sensiblen ökologischen Bereiche gewählt. Die ökologische Kontinuität wird unter anderem durch die Integration der stark geschädigten Eiche sichergestellt. Der Baum, der im Zuge der Bauarbeiten gefällt werden muss, wird vor Ort als wertvolle ökologische Struktur in den Hang eingebettet und bleibt so als Lebensraum und Totholzelement im Landschaftsraum erhalten. Die massvolle Setzung und die schlichte Materialwahl verbinden Zugänglichkeit, landschaftliche Qualität und den nachhaltigen Schutz der Biodiversität.
Gestaltung und Tragwerk
Der Tragwerksentwurf basiert auf der Idee vonzwei sich überschneidenden, gekrümmten Kurven mit asymmetrischer Anordnung. Während der Gehweg dem Druckbogen folgt, steigt das Zugelement gegen Bremgarten hin an und wird direkt im Hang verankert. Auf Seite Zehendermätteli verschmelzen diese beiden Elemente zu einem linsenförmigen Stahlkasten. Dieses Auflager kann sehr sparsam ausgebildet werden, weil Zug- und Druckkräfte kurzgeschlossen werden und somit nur Vertikalkräfte auftreten.
Auch die Konstruktionshöhe der Brücke und damit die Dammschüttung werden auf ein Minimum reduziert. Anders verhält es sich auf der Gegenseite: Der Durchhang des Zugelements und der Bogenstich des Druckbogens von jeweils nur etwa einem Meter führt zu relativ hohen Horizontalkräften, die oben mit insgesamt acht Felsankern und unten mit einer massiven Druckplatte direkt in den Felsen abgetragen werden. Die leichte Verbreiterung in der Brückenmitte ist dadurch begründet, dass die Hängekonstruktion in einer nachaussen geneigten Ebene liegen soll. All diese Überlegungen zum Brückenentwurf sind gutnachvollziehbar, und die von den Projektverfassern angegebenen Kräfte erscheinen plausibel.
Besondere Sorgfalt erfordert die Ausbildung des sehr schlanken, von innen ausgesteiften Stahlkastens. Dies gilt vor allem für die Seite Zehendermätteli, wo sich die Zugelementeseitlich an den in der Höhe variablen Kastenanschmiegen. Die Wahl der Zugelemente aus Flacheisen ist deshalb nicht nur aus dem historischen Kontext heraus, sondern auch aus konstruktiven Gründen und wegen der besseren Sichtbarkeit für die Vögel sinnvoll. Auf Seite Bremgarten ist das Ausknicken des auf Druck beanspruchten schlanken Stahlkastens nach oben besonders zu beachten, weil die Hänger keinen Beitrag zur Reduktion der Knicklänge leisten können.
Zusammenfassung Jury
Aus Sicht der Jury ist dort anstelle einer integralen Verbindung ein lösbarer Anschluss zugunsten vereinfachter Instandsetzungsmöglichkeiten vorzuziehen. Der Entwurf überzeugt durch eine bedachte Lesart des einzigartigen Landschaftsraumesund der daraus abgeleiteten, kunstvollen Installation, welche sich elegant schwebendund zugleich einzigartig in das sensible Umfeld einfügt.









